Monatsanweisung JULI

Aus jeder Saat spricht eine Ernte
Quelle: Leipziger Bienenzeitung 1949

Geschleudert wird, wenn die Tracht am Erlöschen ist. Unbedingt schleuderreif ist eine Wabe, wenn sie ganz oder bis zu einem Drittel verdeckelt ist. Ganz frisch eingetragenen, nochwässrigen Honig schleudert man, wenn es zu umgehen ist, nicht.Das öfteres Schleudern den Fleiß der Bienen anrege, ist angesichts des Schaffensdranges der Biene eine irrige Meinung. Oftmaliges Schleudern bringt neben der Mehrarbeit dann und wann Hungerzustände und unreifen Honig zutage.

Des Imkers Saat vom letzten August oder September her über Winter und Frühjahr hinweg ist jetzt zur Ernte gereift, im ungünstigen wie im günstigen Sinne. Auswahl der Königinnen nach Rasse, Ertrag, Alter oder Zufallsköniginnenbestand, Herbstreizfütterung zwecks Erzeugung starker Brutsätze oder nicht, Überwinterung in Ruhe oder voller Störungen, im Frühjahr verengte, wohlverwahrte Wohnungen oder schlecht verpackte Eiskeller, Futterüberfluß im April oder Mangel, Zusammenballen der Volkskraft oder Zersplittern durch Schwärmerei: im Juli wirkt sich die Saat aus in Gestalt der verschieden gefüllten Honigtöpfe.

Die Stellung der Wabe in der Schleuder ist wichtig. Der Honig soll leicht und restlos ausfließen, das Wabenwerk an den Zellrändern möglichst geschont werden. Da die Zellen leicht nach oben gerichtet sind, also nocht waagrecht auf der Mittelwand stehen, muss bei der Hochwabe der Unterschenkel in der Wabe oben sein, und bei der Breitwabe muß der Unterschenkel vorauslaufen. Daß man die erste Seite nur leicht oberflächlich ausschleudert, die Wabe dann mit der anderen Seite nach außen stellt, etwas kräftiger dreht und den Wechsel nachher noch zweimal unter kräftigen Schwung vornimmt, sei nur nebenher erwähnt.

Ausgeschleuderte Waben kann man sofort, auch fremden Völkern, wieder einstellen, wenn man sie hinten oder im Honigraum, vor allem gut in kaltes Wasser getaucht gibt. Das kalte Wasser verdeckt den aufreitzenden Geruch des frischen Honigs und schreckt Räuber ab. Ausgeleckt, trocken kommen die Waben in den Schrank. Honigfeuchte Waben verschmieren durch Abtropfen den Wabenschrank, und beim Aussortieren unbrauchbarer Waben ist es Schade um die verbliebenen Honigreste. Bei starkem Fluge macht sich die Honigentnahme, das Schleudern und die Wabenrückgabe am besten. Wer den Honigraum vom Brutraum vor dem Schleudern nicht durch ein Schied trennt, hängt zuerst die schleudernden Waben heraus. Da fliegen bereits zahlreiche Stechlustige ab ans geschlossene Fenster des Bienenhauses. Dann wird Wabe um Wabe abgeschlagen und weggetan, der Honigraum sofort mit geschleuderten, naßgemachten Waben gefüllt, geschlossen und das Bienenhausfenster geöffnet.

Im Juli findet auch die große Heerschau der Königinnen statt. Jetzt ist es noch an der Zeit, Fehler abzustellen und Ersatzmütter zu schaffen. Besonderes Augenmerk richtet man auf die abgeschwärmten Mutterstöcke, die Nachschwärme und Ableger. Im allgemeinen wird gesehen auf lückenlosen Brutstand, auf umfassenden Pollengürtel mit anschließenden Honigbogen, auf Sanftmut Alle diese Beobachtungen kann man mit der Honigentnahme verbinden. Unbedingt sind Notizen darpüber zu machen. Daß die Königin zu zeichnen ist, bedeutet eine Sewlbstverständlichkeit, weniger wegen des bequemeren Findens als wegen der Sicherheit, keinen stillen Umweisler unbekannten Alters später vor sich zu haben.

Die Brutbeschränkung wir aufgehoben, Heidewanderer reizen bereits vom 10. Juli ab wieder.

HONEYLAND

Das Stadtkino im Künstlerhaus (Akademiestraße 13, 1010 Wien) spielt für uns den Film am 14. Juli 2020 um 18.00h. Ab 12 Teilnehmer gibt es Karten um € 6,00.

Land des Honigs ist ein Dokumentarfilm (2 Oscar-Nominierungen) aus Nordmazedonien aus dem Jahr 2019. Im Mittelpunkt steht Hatidze Muratova, letzte Wildimkerin des Landes, deren naturverbundene Lebensweise in einem verlassenen Bergdorf auf eine harte Probe gestellt wird.

Monatsanweisung JUNI

Historisches anno 1942

Höhe des Jahres und Höhe des Bienenvolkes fallen zusammen

Innerhalb weniger Wochen eilt das Jahr von Winteresende bis zur Tag- und Nachtgleiche Ende Juni der Höhe zu. Schritt mit Ihm muß das Bienenvolk halten. Es ist in seinen Nahrungsbedürfnissen gebunden an die Pflanzenwelt mit Ihren Blüten.


Nur aus Rücksicht darauf, daß die gesicherte Ernährungslage die Voraussetzung für den Fortbestand des Volkes ist, tritt der Fortplanzungswille bei außerordentlicgen Fließen der Nektarquellen zeitweise zurück. Damit beherrscht auch das Streben, die eigene Art zu erhalten, zu mehren, auszubreiten, den Bien. Der
Fortpflanzungsvorgang im Bienenvolk ist nicht die Begattung der Königin und das sich heraus ergehende Legen befruchteter Eier, sondern es ist der Schwarm.

Darum haben wir es beim Willen zum Schwärmen mit einem Urtrieb, mit dem eigentlichen Lebenstrieb des Bienengeschlechtes zu tun. Solcher Trieb ist unausrottbar. Damit hat der praktische Imker zu rechnen. Der Schwarmtrieb wir immer wieder durchbrechen. Beim Imker sieht es, ob er sich dadurch um den Honigertrag bringen lassen will oder nicht, also, ob er den Schwarmtrang sich austoben läßt oder es verhindert.

Ein Volk, das sich dem Schwarmdrang hingibt, baut, trägt und brütet nicht mehr. Untätig verharrt es auf den Waben oder hängt in einem Bart vor dem Flugloch. Dem Schwarmtrieb kommt derImker zuvor, indem er verdeckelte Brutwaben samt anhaftenden Bienen und gleichzeitig etwa angesetzte Weiselnäpfe oder -zellen entfernt. Werden wieder Weiselzellen angeblasen, so war es bereits zu spät. Dann wird die gesamte Brut samt Bienen entnommen, im Stock bleibt nur die Königin, eine Futterwabe, dazu gibt man fünf oder sechs Mittelwände. Die entnommene Brut kann man auf Nachzügler verteilen oder daraus einen Ableger machen.

Einem schwarmlüsternen Volke nur die Weiselzellen herauszubrechen, bessert nichts, da die Spannung im Volke dadurch nicht ausgelöst wird. Den gleichen Fehler begeht der, der nach Entfernen der Weiselzellen den Vorschwarm zurückgibt oder der dem beim Vorschwarm die Königin nimmt und ihn auf Muttervolk zurückfliegen läßt, um stake Nachschwärme zu erhalten. Alles gehtr auf Kosten der Honigernte.

Zu neuen Völkern kann man ja auch dadurch kommen, daß man Jungbienen verschieden starker Völker zusammenkehrt, ihnen eine Zelle oder eine geschlüpfzte Königin gibt. Einem Schwächling hilft man auch dadurch, daß man ihn mit einem starken Volke verstellt.

Eingefangene Schwärme bringt man nicht sofort in ihre neue Wohnung, sondern läßt sie bis zum Abend sich erst beruhigen und sammeln. An der Stirnwand steht eine leere Arbeiterwabe, dann folgen so viele Mittelwände plus eine,wie der Schwarm Pfunde schwer ist. Bei Nachschwärmen genügen statt Mittelwänden Anfangsstreifen, da hier nur Arbeiterbau ausgeführt wird. Erst vom vierten Abend ab reicht man Schwärmen allabendlich einen halben Liter Futter, bis die Wohnung ausgebaut ist.

Unsgünstig angelegte, z.B. breitgelaufene Schwärme drängt man allmählich durch den Karbollappen zusammen, bis mansie abschlagen oder ablöffeln kann. Hierbei nicht ohne Haube arbeiten!

Der Juni ist der Monat der Zucht. Ob der einzelne Krainer, Nigra oder Heimatstamm züchtet, richtet sich nach denMaßnahmen der Ortsfachgruppe. Es ist sinnlos und dabei unkameradschaftlich, durch Eigenbrödelei Zuchtziele der Allgemeinheit zu schädigen. Wahlzucht treibt der einzelne, indem er auf Grund mehrjähriger Beobachtungen immer von den besten Ertragsvölkern nachzieht. Wer die Belegstelle nicht benutzt, darf nur Drohnen von guten Völkern fliegen lassen. Vorwärtsstrebende Imker schließen sich einer Züchtergruppe an und entgehen damitimmer mehr dem Zufallsertrag, gestalten vielmehr ihre Ernten dauernd sicherer.


Ein Jahrhundert für die Bienen – 100 Jahre Westend(e)



Am Dienstag, den 10.Dezember 2019 feierten wir den 100. Geburtstag. Festgäste aus nah und fern –  im Besonderen die Hietzinger Bezirksvorsteherin Mag.a Silke Kobald, der Präsident des Österreichischen Imkerbundes Ing. Reinhard Hetzenauer sowie der Obmann des Landesverbands Wien, IM Albert Schittenhelm.
 
Wir sind stolz, im ältesten Bienenverein Wiens zu sein. Die steigenden Mitgliederzahlen sind ein erfreuliches Zeichen dafür. 

100 Jahre Wien-Westend

Am 10. Dezember 2019 feierten wir unseren 100 jährigen Geburtstag im Restaurant Wambacher. Hier ist jene Stätte, an der für den ältesten Bienenverein Wiens alles begann.

Im Frühjahr 1919 trafen einander zwei Herren, Pospischil und Manfried, regelmäßig Gasthaus Wambacher in der Lainzerstraße zum Fachsimpeln über die Imkerei. Nachdem der erfahrene Bienenmeister Polansky die Tischrunde erweiterte, beschlossen sie nach einiger Zeit einen Bienenverein zu gründen. Warum wir Wien-Westende heißen, wissen wir nicht genau. Vielleicht hängt das mit unserem Gründungsort auf der Speisingerstraße im 13. Bezirk zusammen, der damals am Ende der westlichen Grenzen der Verzehrungssteuer, dem Linienwall lag. Aber daran forschen wir noch.

Forschen müssen wir auch an anderen Dingen. Denn unseren Bienen geht es nicht gut. Für das „Bienensterben“ gibt es mehrere Gründe. Pestizide, ausgeräumte Landschaften und die Varroa-Milbe. Aber wir halten dagegen, wir tragen Verantwortung, und das nun schon seit 100 Jahren. Diese lange Zeit bedeutet vor allem eines: Kontinuität und Stabilität, auch in schwierigen Bienen-Zeiten. Umso erfreulicher ist es, dass unsere Organisation auch positiv in die Zukunft blickt. Derzeit vereinen wir 25 Imkerinnen und Imker und bis zu 4 Millionen Bienen. Engagierte Menschen jeden Alters und Berufsgruppe, die gemeinsam Ihr Wissen zum Erhalt unserer wertvollen Kultur beitragen.

STICHTAGE

Werner Jessner hat in der Ausgabe Juli/August über unser Hobby einen tollen Beitrag mit hervorragenden Fötos geschrieben

Eine Biene ist ein Genie, doch viele Bienen sind einWunder der Natur. Sieben gut gemeinte Fingerzeige zum Umgang mit jenen Insekten, die wir schmerzlich vermissen werden, wenn wir künftig nicht gut auf sie achtgeben.

Gedanken von J.Thür – anno 1946

…die zum Sport ausgeartete Kunstimkerei hat sonderbare Blüten hervorgebracht. Da wird die Königin in künstlicher Wiege künstlich geboren. Zum Hochzeitsfeste wird sie in kleinem Gemach in die Verbannung geschickt. Nur eine erlesene Schar meist fremder Untertanen, gering an Zahl dürfen sie dorthin begleiten. Sorgsam wird jedes männliche Glied des eigenen Volkes ferngehalten. An diesem abgelegenen Ort wird ihr ein volksfremder Gatte imkerlicher Bestimmung aufgezwungen; die freie Gattenwahl bleibt ihr versagt. Das unnatürliche Schandmal wir ihr am Rücken lebenslänglich aufgetragen. Der aus der Abgeschiedenheit zurückgebrachte Hofstaat mit der königlichen Hoheit harrt nunmehr des Imkerlichen Einsatzes. In kühler Berechnung wird vorher einem Volke die Königin gewaltsam entfernt und – ermordet. Das seiner königlichen Hoheit beraubte Volk erfaßt tiefstes Weh. Ein nicht endenwollendes, weithin hörbares Klagegeheul kündet den Schmerz. Und noch ehe das Volk zu den nüchternen Forderungen des Alltags zurückfindet und noch ehe es seine naturbestimmte Art des Königinersatzes treffen kann, unterschiebt ihm der Imker dieses Kunstprodukt einer Königin, ohne Nachweis ihrer Eignung, nur gestützt auf imkerliches Gelingen. Doch nur zu oft reißt dem Bien die Geuld und wirft solch königliches Geblüt dem Imker zu Füßen. Und wenn einmal alles gut gelingt, so geschah es ohne Rücksicht auf unerforschte Naturzusammenhänge. – So viel wissen wir, daß sich die Natur solcher Mittel nicht bedient und daß menschliches Wirken in dieser Richtung nur einseitige Erfolge erzielt mit einhergehender Entartung.

aus „Bienenzucht – naturgerecht – einfach und erfolgssicher“ von Johann Thür (1946)