Monatsanweisung FEBRUAR

historisches aus dem Kalender der Leipziger Bienen-Zeitung 1942

Ein Arbeitsplan leitet sicher durchs Bienenjahr

Wer ein Werk vollbringen will, muß den Stoff kennen, der bearbeitet werden soll, und ihm müssen die Mittel bekannt sein, die die Durchführung ermöglichen. An den Bienen kann nur der erfolgreich arbeiten, der das Wesen des Biens und dessen Lebensäußerungen kennt. In Abschnitten vollzieht sich der Jahreslauf der Lebensäußerungen der Biene, und diesem haben sich die Eingriffe und Handreichungen des Imkers anzupassen. Ohne Lehrbuch und ohne Zeitung führt der Weg nur ins Zufall-Imkertum.

Gebunden ist die jährliche Emtwicklung des Bienenvolkes an die Jahresbahn der Sonne. Das Auge Wodans weckt sie aus winterlicher Ruhe. Mit steigender Wärme strebt das Volk empor, ereicht mit der Sonnenbahn seine größte Höhe und sinkt mit ihr wieder hinab. Das Licht erweckt, die Wärme erhebt es empor. Imker, hüte deine Völkr vor zu frühem Erwachen, wenn das gleißende Sonnenlicht noch über schneeige Gefilde sich breitet. Lass alle Bienen noch vor den Fluglöchern. Steigt aber eines Tages im Februar die Luftwärme bis zu 10 Grad C an, dann gibt es für die Sonnenkinder im dunklen Haus kein halten mehr. Dann drängt auch hier alles Leben zum Licht: Auferstehung, Reinigungsausflug, Vorspiel am Bienenstand, sie leben noch und grüßen uns wieder mit frohem Gang! Wenn auch nur für kurze Zeit, einen oder zwei Tage. Der Frost bannt sie aufs neue ins Schlafgemach. Die wieder vorgesetzten Blenden helfen mit den Winterschlaf hüten. Ruhe, Ruhe auch fernerhin!

Genug Zeit war ihnen gegeben, sich von der Beschwer der langen Haft zu befreien. Den Darm leerten sie, der vom Herbst her mit Pollenresten und anderen Nahrungsrückständen sich immer mehr gefüllt hatte. Imkerkamerad, hast du acu rechtzeitig die Nachbarinnen gewarnt, ihre blütenweiße Wäsche eilig von der Leine zu nehmen? Die gelben Flecke der Kotspritzer dämpfen sonst gar sehr die Freude über das Auferstehungsfest.

Manches Volk flog nicht. Keine Bange. Sein Drang nach außen war nicht hart genug. Es grüßt dich später. Eins kam nicht recht zur Ruhe, bis zum Abend irrten einzelne an der Stirnwand umher. Es wir weisellos sein. Warte bis zum nächsten Monat. Da kannst du hineinschauen. Jetzt ist es aber zu früh. Der Drahthaken kann wieder prüfend die Fluglöcher abtasten nach Toten. Reicher Totenfall in dem oder jenem Volke besagt nicht immer etwa Krankheit oder Hunger, es ist natürlicher Abgang alter Arbeitsklassen.

Wenn die Tränke schon im Gang war, dann bedeutete das einen Gewinn. Wasser wird nun täglich im steigenden Maße gebraucht. Der Bruteinschlag hat begonnen. Der Pollen des Brutfutters braucht zum Quellen viel Wasser. Richte die Tränke in der Nähe, es können wieder Flugtage kommen. Ein tropfender Hahn der Wasserleitung, eine tropfenden Federspule am gefüllten Fass sind besser als die Zementschale mit Moos. Auf Holz in ganz dünner Schicht soll das Wasser laufen, daß sich rasch erwärmt. Braucht ein Volk wegen Durstnot, kann ein Achtel Liter dünnes Honigwasser oben gegeben werden oder eine Wabe damit gefüllt und an den Sitz geschoben.

Wärme weckt Leben. Nimm während der Flugstundenam Reinigungstage die unbelagerten Waben, leere wie gefüllte, weg.So erhält das Volk den Raum, der seiner Größe zukommt undden es erwärmen kann. Danach alle Verpackung sorgfälltig und dick in die Beuten. Jetzt liegt im ängstlichen Einpacken Sinn, Zweck und Vorteil. Nicht schon im Herbst.

Du aber, Bienenvater, schmiedest deine Pläne fürs kommende Jahr weiter. Deine Wirtschaftsweise wird einzig, bestimmt von der Tracht, in der deine Völker stehen. Früh-, Sommer- und Herbsttracht sind deine Befehlshaber. Es gibt kein allgemeines Schema für die Völkerbehandlung, weil die Grundlage dazu, die umgebende Pflanzenwelt, überall anders ist.

Bedenke und berechne die kommenden Ausgaben für Beuten, für Hausbau, für Zucker und Mittelwände! Teile das Geld dazu schon jetzt dazu ein! Geh lieber langsam und sicher! Womit wirst du die Tracht verbessern im Garten oder draussen? Wieviele Mittelwände und Baurahmen brauchst du? Welche Völker sollen die Nachzucht liefern? Was fehlt noch zum Besuch der Belegstelle? Welches Buch wirst Du noch lesen? Ist die vorjährige Zeitung gebunden? Suche dort bestimmte Gebiete heraus und lies sie nochmals!

Pläne schmieden ist schön, sie durchgeführt haben aber beglückend.

Ein Jahrhundert für die Bienen – 100 Jahre Westend(e)



Am Dienstag, den 10.Dezember 2019 feierten wir den 100. Geburtstag. Festgäste aus nah und fern –  im Besonderen die Hietzinger Bezirksvorsteherin Mag.a Silke Kobald, der Präsident des Österreichischen Imkerbundes Ing. Reinhard Hetzenauer sowie der Obmann des Landesverbands Wien, IM Albert Schittenhelm.
 
Wir sind stolz, im ältesten Bienenverein Wiens zu sein. Die steigenden Mitgliederzahlen sind ein erfreuliches Zeichen dafür. 

100 Jahre Wien-Westend

Am 10. Dezember 2019 feierten wir unseren 100 jährigen Geburtstag im Restaurant Wambacher. Hier ist jene Stätte, an der für den ältesten Bienenverein Wiens alles begann.

Im Frühjahr 1919 trafen einander zwei Herren, Pospischil und Manfried, regelmäßig Gasthaus Wambacher in der Lainzerstraße zum Fachsimpeln über die Imkerei. Nachdem der erfahrene Bienenmeister Polansky die Tischrunde erweiterte, beschlossen sie nach einiger Zeit einen Bienenverein zu gründen. Warum wir Wien-Westende heißen, wissen wir nicht genau. Vielleicht hängt das mit unserem Gründungsort auf der Speisingerstraße im 13. Bezirk zusammen, der damals am Ende der westlichen Grenzen der Verzehrungssteuer, dem Linienwall lag. Aber daran forschen wir noch.

Forschen müssen wir auch an anderen Dingen. Denn unseren Bienen geht es nicht gut. Für das „Bienensterben“ gibt es mehrere Gründe. Pestizide, ausgeräumte Landschaften und die Varroa-Milbe. Aber wir halten dagegen, wir tragen Verantwortung, und das nun schon seit 100 Jahren. Diese lange Zeit bedeutet vor allem eines: Kontinuität und Stabilität, auch in schwierigen Bienen-Zeiten. Umso erfreulicher ist es, dass unsere Organisation auch positiv in die Zukunft blickt. Derzeit vereinen wir 25 Imkerinnen und Imker und bis zu 4 Millionen Bienen. Engagierte Menschen jeden Alters und Berufsgruppe, die gemeinsam Ihr Wissen zum Erhalt unserer wertvollen Kultur beitragen.

STICHTAGE

Werner Jessner hat in der Ausgabe Juli/August über unser Hobby einen tollen Beitrag mit hervorragenden Fötos geschrieben

Eine Biene ist ein Genie, doch viele Bienen sind einWunder der Natur. Sieben gut gemeinte Fingerzeige zum Umgang mit jenen Insekten, die wir schmerzlich vermissen werden, wenn wir künftig nicht gut auf sie achtgeben.

Rettung für unsere Bienen?

Ein Forscher macht Hoffnung für die Zukunft.
https://youtu.be/1f0sjiGtWIQ
45 Min. Bericht im NDR mit Torben Schiffer

Bei unserem nächsten Vereinsabend am 11. Juni 2019 – 18.30h gibt es zusätzlich zu unserem Monatsthema „artgerechte Bienenbeute einst und jetzt“, einen Bericht von einem persönlichen Treffen mit Torben Schiffer in Hamburg.

Gedanken von J.Thür – anno 1946

…die zum Sport ausgeartete Kunstimkerei hat sonderbare Blüten hervorgebracht. Da wird die Königin in künstlicher Wiege künstlich geboren. Zum Hochzeitsfeste wird sie in kleinem Gemach in die Verbannung geschickt. Nur eine erlesene Schar meist fremder Untertanen, gering an Zahl dürfen sie dorthin begleiten. Sorgsam wird jedes männliche Glied des eigenen Volkes ferngehalten. An diesem abgelegenen Ort wird ihr ein volksfremder Gatte imkerlicher Bestimmung aufgezwungen; die freie Gattenwahl bleibt ihr versagt. Das unnatürliche Schandmal wir ihr am Rücken lebenslänglich aufgetragen. Der aus der Abgeschiedenheit zurückgebrachte Hofstaat mit der königlichen Hoheit harrt nunmehr des Imkerlichen Einsatzes. In kühler Berechnung wird vorher einem Volke die Königin gewaltsam entfernt und – ermordet. Das seiner königlichen Hoheit beraubte Volk erfaßt tiefstes Weh. Ein nicht endenwollendes, weithin hörbares Klagegeheul kündet den Schmerz. Und noch ehe das Volk zu den nüchternen Forderungen des Alltags zurückfindet und noch ehe es seine naturbestimmte Art des Königinersatzes treffen kann, unterschiebt ihm der Imker dieses Kunstprodukt einer Königin, ohne Nachweis ihrer Eignung, nur gestützt auf imkerliches Gelingen. Doch nur zu oft reißt dem Bien die Geuld und wirft solch königliches Geblüt dem Imker zu Füßen. Und wenn einmal alles gut gelingt, so geschah es ohne Rücksicht auf unerforschte Naturzusammenhänge. – So viel wissen wir, daß sich die Natur solcher Mittel nicht bedient und daß menschliches Wirken in dieser Richtung nur einseitige Erfolge erzielt mit einhergehender Entartung.

aus „Bienenzucht – naturgerecht – einfach und erfolgssicher“ von Johann Thür (1946)

Die Entstehung von Wien-Westende

In der Festschrift zum 50-jährigen Bestandsjubiläum unseres Vereins konnten wir die Gründungsgeschichte der Imker von Wien-Westende finden. Der Beitrag stammt aus der gekürzten Rede des damaligen Altobmanns Othmar Löhnert im Jahr 1969.

„Im Frühjahr 1919 lernte der Nichtimker Pospischil den begeisterten Fortschrittsimker Manfried kennen. Manfried, der ganz im Banne des Pioniers der österreichischen Königinnenzucht Guido Sklenar stand, entflammte Pospischil für die Bienenzucht. Beide trafen einander regelmäßig in Wambachers Gasthaus in der Lainzerstraße. Ein Dritter, der alte Polansky, schon erfahrener Imker und Bienenmeister, gesellte sich zu Ihnen. Sie fachsimpelten, wälzten Probleme und machten den begeisterten Pospischil zum Anfänger entschlußreif.

Eines Abends, am Biertisch Wambachers, machte Manfried den Vorschlag, die Tischrunde zu erweitern und einen Bienenverein zu gründen. Der geistige Gedankenfall Manfrieds, die Schöpferidee, war die eigentliche Geburtsstunde unseres Bienenvereins.

Wohl gab es seit 1860 eine große Imkerorganisation in Wien, die sich später über die ganze Reichshälfte erstreckte. Nach dem Jahre 1918 mußte sie naturgemäß ihren Wirkungskreis auf des neuen, kleineren Österreich beschränken. Die Imker in der Provinz waren größtenteils in Zweigvereinen zusammengeschlossen. Wien besaß nur direkte Mitglieder zum Reichsverein, aus dem sich später der Österreichischen Imkerbund entwickelte.

Die Gründung eines Zweigvereines im Westen Wiens war geradezu ein Bedürfnis, um zu fortschrittlicher Weiterbildung zu gelangen. Manfried und Polansky forschten mit Eifer nach Imkern in den westlichen Bezirken Wiens, so daß Pospischil die Einladungen zu gründeten Hauptversammlung für den 10. Dezember 1919 versenden konnte. Zum Obmann wurde einstimmig der geistige Vater der Vereinsgründung, Manfried, gewählt.“