100 Jahre Wien-Westend

Am 10. Dezember 2019 feiern wir unseren 100 jährigen Geburtstag im Restaurant Wambacher. Hier ist jene Stätte, an der für den ältesten Bienenverein Wiens alles begann.

Im Frühjahr 1919 trafen einander zwei Herren, Pospischil und Manfried, regelmäßig Gasthaus Wambacher in der Lainzerstraße zum Fachsimpeln über die Imkerei. Nachdem der erfahrene Bienenmeister Polansky die Tischrunde erweiterte, beschlossen sie nach einiger Zeit einen Bienenverein zu gründen. Warum wir Wien-Westende heißen, wissen wir nicht genau. Vielleicht hängt das mit unserem Gründungsort auf der Speisingerstraße im 13. Bezirk zusammen, der damals am Ende der westlichen Grenzen der Verzehrungssteuer, dem Linienwall lag. Aber daran forschen wir noch.

Forschen müssen wir auch an anderen Dingen. Denn unseren Bienen geht es nicht gut. Für das „Bienensterben“ gibt es mehrere Gründe. Pestizide, ausgeräumte Landschaften und die Varroa-Milbe. Aber wir halten dagegen, wir tragen Verantwortung, und das nun schon seit 100 Jahren. Diese lange Zeit bedeutet vor allem eines: Kontinuität und Stabilität, auch in schwierigen Bienen-Zeiten. Umso erfreulicher ist es, dass unsere Organisation auch positiv in die Zukunft blickt. Derzeit vereinen wir 25 Imkerinnen und Imker und bis zu 4 Millionen Bienen. Engagierte Menschen jeden Alters und Berufsgruppe, die gemeinsam Ihr Wissen zum Erhalt unserer wertvollen Kultur beitragen.

STICHTAGE

Werner Jessner hat in der Ausgabe Juli/August über unser Hobby einen tollen Beitrag mit hervorragenden Fötos geschrieben

Eine Biene ist ein Genie, doch viele Bienen sind einWunder der Natur. Sieben gut gemeinte Fingerzeige zum Umgang mit jenen Insekten, die wir schmerzlich vermissen werden, wenn wir künftig nicht gut auf sie achtgeben.

Rettung für unsere Bienen?

Ein Forscher macht Hoffnung für die Zukunft.
https://youtu.be/1f0sjiGtWIQ
45 Min. Bericht im NDR mit Torben Schiffer

Bei unserem nächsten Vereinsabend am 11. Juni 2019 – 18.30h gibt es zusätzlich zu unserem Monatsthema „artgerechte Bienenbeute einst und jetzt“, einen Bericht von einem persönlichen Treffen mit Torben Schiffer in Hamburg.

Gedanken von J.Thür – anno 1946

…die zum Sport ausgeartete Kunstimkerei hat sonderbare Blüten hervorgebracht. Da wird die Königin in künstlicher Wiege künstlich geboren. Zum Hochzeitsfeste wird sie in kleinem Gemach in die Verbannung geschickt. Nur eine erlesene Schar meist fremder Untertanen, gering an Zahl dürfen sie dorthin begleiten. Sorgsam wird jedes männliche Glied des eigenen Volkes ferngehalten. An diesem abgelegenen Ort wird ihr ein volksfremder Gatte imkerlicher Bestimmung aufgezwungen; die freie Gattenwahl bleibt ihr versagt. Das unnatürliche Schandmal wir ihr am Rücken lebenslänglich aufgetragen. Der aus der Abgeschiedenheit zurückgebrachte Hofstaat mit der königlichen Hoheit harrt nunmehr des Imkerlichen Einsatzes. In kühler Berechnung wird vorher einem Volke die Königin gewaltsam entfernt und – ermordet. Das seiner königlichen Hoheit beraubte Volk erfaßt tiefstes Weh. Ein nicht endenwollendes, weithin hörbares Klagegeheul kündet den Schmerz. Und noch ehe das Volk zu den nüchternen Forderungen des Alltags zurückfindet und noch ehe es seine naturbestimmte Art des Königinersatzes treffen kann, unterschiebt ihm der Imker dieses Kunstprodukt einer Königin, ohne Nachweis ihrer Eignung, nur gestützt auf imkerliches Gelingen. Doch nur zu oft reißt dem Bien die Geuld und wirft solch königliches Geblüt dem Imker zu Füßen. Und wenn einmal alles gut gelingt, so geschah es ohne Rücksicht auf unerforschte Naturzusammenhänge. – So viel wissen wir, daß sich die Natur solcher Mittel nicht bedient und daß menschliches Wirken in dieser Richtung nur einseitige Erfolge erzielt mit einhergehender Entartung.

aus „Bienenzucht – naturgerecht – einfach und erfolgssicher“ von Johann Thür (1946)

Die Entstehung von Wien-Westende

In der Festschrift zum 50-jährigen Bestandsjubiläum unseres Vereins konnten wir die Gründungsgeschichte der Imker von Wien-Westende finden. Der Beitrag stammt aus der gekürzten Rede des damaligen Altobmanns Othmar Löhnert im Jahr 1969.

„Im Frühjahr 1919 lernte der Nichtimker Pospischil den begeisterten Fortschrittsimker Manfried kennen. Manfried, der ganz im Banne des Pioniers der österreichischen Königinnenzucht Guido Sklenar stand, entflammte Pospischil für die Bienenzucht. Beide trafen einander regelmäßig in Wambachers Gasthaus in der Lainzerstraße. Ein Dritter, der alte Polansky, schon erfahrener Imker und Bienenmeister, gesellte sich zu Ihnen. Sie fachsimpelten, wälzten Probleme und machten den begeisterten Pospischil zum Anfänger entschlußreif.

Eines Abends, am Biertisch Wambachers, machte Manfried den Vorschlag, die Tischrunde zu erweitern und einen Bienenverein zu gründen. Der geistige Gedankenfall Manfrieds, die Schöpferidee, war die eigentliche Geburtsstunde unseres Bienenvereins.

Wohl gab es seit 1860 eine große Imkerorganisation in Wien, die sich später über die ganze Reichshälfte erstreckte. Nach dem Jahre 1918 mußte sie naturgemäß ihren Wirkungskreis auf des neuen, kleineren Österreich beschränken. Die Imker in der Provinz waren größtenteils in Zweigvereinen zusammengeschlossen. Wien besaß nur direkte Mitglieder zum Reichsverein, aus dem sich später der Österreichischen Imkerbund entwickelte.

Die Gründung eines Zweigvereines im Westen Wiens war geradezu ein Bedürfnis, um zu fortschrittlicher Weiterbildung zu gelangen. Manfried und Polansky forschten mit Eifer nach Imkern in den westlichen Bezirken Wiens, so daß Pospischil die Einladungen zu gründeten Hauptversammlung für den 10. Dezember 1919 versenden konnte. Zum Obmann wurde einstimmig der geistige Vater der Vereinsgründung, Manfried, gewählt.“